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Rund um den Globus

Alles im

grünen Bereich?

Vulkane, wie hier der Arenal, prägen die Landschaft Costa Rica

Costa Rica ist grün, bunt und artenreich. Doch das Land will mehr: klimaneutral werden. Als erster Staat der Erde. Ein neugieriger Besuch in der «Schweiz Lateinamerikas».

Er quakt nicht, glotzt die nächtlichen Besucher mit leuchtend roten Augen an. Er weiss nicht, dass er als eine Art Nationaltier Costa Ricas durch die ganze Palette an Souvenirs hüpft, mit denen sich das artenreiche Land bewirbt. Momentan guckt er über ein Blatt ins Taschenlampenlicht. Hinter der Lichtquelle Otto Méndez.
Er hat ihn aufgespürt, mit untrüglichem Gefühl dafür, wo sich seine geliebten Frösche aufhalten, denen er dieses Biotop in jahrelanger Arbeit geschaffen hat. Der Landschaftsbauer und Umweltschützer weiss, was Kermit und seine Artgenossen mögen. Das stehende Wasser in Bromelien, kleine Teiche, grosse Blätter. Sie sind von allein gekommen, können gehen, wann sie wollen. Das hier ist kein Tierpark, es ist einfach ein Garten nach ihrem Geschmack. Elf Sorten kann Otto in dieser Nacht vorzeigen – vom kronkorkenkleinen Blue Jeans Dart Frog mit den blauen Beinen bis zum riesigen Ochsenfrosch. Die quakende Spezies, ein Spiegel für die Vielfalt der Fauna im Land. Aber warum Frösche? «Sie leiden am stärksten unter dem Klimawandel», versucht Otto sein Faible zu erklären.

Man kennt Costa Rica für seine dichte Natur, die vielen Klimazonen, 25 Prozent Schutzgebiete, Regenwald und allenthalben Tiere, farbig und laut. Sechs Prozent des weltweiten Artenreichtums sind hier beheimatet. Umso härter trifft der Klimawandel. Der Nebelwald von Montevideo verändert sich zum Regenwald. In der Ebene Guanacaste am Pazifik ist es so trocken wie nie. An den Küsten spült das Meer den Strand weg. Da erstaunt es kaum, dass sich Costa Rica ein sehr hohes Ziel gesetzt hat. Costa Rica verkündet seit Jahren, dass es CO2-neutral sein will. Was die Stromproduktion angeht ist man schon sehr weit. Letztes Jahr hat Costa Rica seine Energie zu 99 Prozent aus erneuerbaren Quellen gewonnen – aus Geothermie, Wind- und Wasserkraft.

Ein Land unter Baumkronen

Ein paar Kilometer Hoppelpiste von Ottos Froschgarten entfernt, liegt verborgen im Wald eine Lodge, die schon fast CO2-negativ sein könnte. Kein Benzin wurde verbraucht, um Baumaterial und Möbel herbeizuschaffen, denn man hat alles aus dem Holz der Bäume gefertigt, die an dieser Stelle aufgeforstet wurden. Dabei schlug man so wenig Wald ab wie nötig. Die auf Stelzen stehenden Bungalows liegen umzingelt von Bäumen. Kein künstliches Licht beleuchtet die Wege. Die Ticos, wie sich die Costa Ricaner selbst nennen, lieben ihre Natur. Das sagt Gelbert Lobo, einer der sechs Besitzer der La Tigra Rainforest Lodge. Und warum? «Nun ja, sie haben gelernt, dass sich das rentiert. Früher dachte man noch, ein Grundstück nur mit Bäumen drauf sei nichts wert.»

Der Wald ist der grosse Schatz Costa Ricas. Mehr als die Hälfte des Landes ersteckt sich unter Baumkronen. Ende der achtziger Jahre war es nur noch ein Fünftel, weil man Abholzen produktiv fand. Dann kam die Kehrtwende. Heute dürfen nur noch unter Auflagen Bäume gefällt werden. Wir gehen über schattige Pfade, steigen vorsichtig über Blattschneiderameisenkolonnen, tragen einen Baumsetzling, einen Spaten und eine Machete dorthin, wo Gelbert und seine Freunde zwei Hektar Grasland gekauft haben, um einen natürlich-chaotischen Wald wachsen zu lassen. Ohne strenge Reihen, mit doppelt so grossen Abständen, rein mit heimischen Sorten. Auch mit langsam wachsenden Bäumen, die sich zwar für die Holzwirtschaft nicht lohnen, aber durchaus für die Natur. «Wir wollen die Vielfalt erhalten», sagt Gelbert. Jeder Besucher darf sich nach Gusto einen Baum aussuchen. Dieses Mal wurde es ein Pilón. Sein Name bedeutet Trog, weil sein Holz so hart ist. Wobei dieser hier Zeit seines Lebens ein Baum bleiben darf.

Am Mel-Gibson-Strand

Mehrere Autostunden Richtung Nordwesten, in Guanacaste, findet sich der Besucher in einer anderen Welt wieder, mit deutlich weniger Grün. Hier wächst trockener Regenwald, wo er nicht für Rinderweiden gerodet wurde. Guanacaste ist mit dem Flughafen in Liberia und dank seiner Strände eine Art Versuch, in Costa Rica auch einen anderen Tourismus jenseits der Natur zu etablieren. Hier finden sich All-Inclusive- Hotels internationaler Ketten. In der Trockenzeit werfen die Bäume wie üblich ihre Blätter ab und blühen. Vielleicht blühen sie dieses Jahr noch ein wenig mehr als sonst, denn so trocken war es noch nie. Einheimische in der Nähe des Naturschutzgebietes an der Küste bei Sámara erzählen, dass es in der vergangenen Regenzeit nur sieben Mal geregnet habe.

Hier ist alles klein: die Hotels, die Besuchergruppen, die Dörfer. Nur die weisse Staubschicht auf dem Mietwagen ist gegen der Trockenheit dick, bis man die Strände erreicht. Etwa den Playa Barrigona, den alle nur Mel-Gibson-Strand nennen, weil der Schauspieler in den Hügeln dahinter ein Anwesen besitzt, mitten in einem Stück dicht bewaldeten Land. Am Strand trifft man fast nur Einheimische, ein paar Gäste naher Unterkünfte und Surfer, die sich in die mächtigen Pazifikwellen werfen.

Starker Nachhaltigkeitsgeistundert

Kilometer nördlich, ebenfalls am Pazifikstrand, liegt Tamarindo. Vor rund zwanzig Jahren war Tamarindo noch ein winziges Dorf, ohne Bank, Fernseher und Müllabfuhr und niemand dachte daran, man könne es irgendwann einmal Tamagringo nennen, weil sich hier so viele Amerikaner Apartments kauften, meist in Gated Communities. Hier lebt die Schweizerin Ursula Schmid. Sie lacht, wenn sie sich daran erinnert, dass es in der Schule keine Mülleimer gab, bis man die Kinder bat, von zuhause einen Kübel als Spende mitzubringen. «Heute herrscht ein Nachhaltigkeitsgeist im Land. Die Menschen wissen, dass die Natur eine wichtige Ressource ist.»

An das einstige Ziel, bis 2021 CO2-neutral zu sein, glaubt allerdings niemand mehr, den man im Land trifft. Dass das Datum vielleicht ein wenig zu willkürlich auf das zweihundertjährige Jubiläum der Unabhängigkeit festgesetzt wurde, hat auch der Präsident eingesehen. Er hat das grosse Ziel darum in die Zukunft verschoben. AMA

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Direktflug nach Costa Rica

Seit dem 9. Mai 2017 fliegt Edelweiss jeweils am Dienstag und Freitag direkt von Zürich in die Hauptstadt San José, die auf einer Hochebene im Zentrum des Landes liegt.

Osa wird Wal-Hotspot

Ein gutes Beispiel, wie mit Ökotourismus die soziale Entwicklung und das Wirtschaftswachstum angetrieben werden können, ist die Gemeinschaft Osa im Süden Costa Ricas. Sie hat das «Festival der Wale und Delfine» ins Leben gerufen, das dieses Jahr bereits zum neunten Mal durchgeführt wird. Der September, ein klassischer Nebensaison-Monat, ist nun für Reisende, die gerne Wale sehen möchten, besonders interessant. Neben Walbeobachtungen stehen Radrennen, Familienwanderungen, ein Wettbewerb im Sandburgenbau sowie Konzerte und Workshops auf dem Programm.

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