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Rund um den Globus

Auf der richtigen Spur

in Finnisch Lappland

In den Alpen ist Langlaufen wieder im Aufschwung, im hohen Norden war es nie aus der Mode. Wie liesse sich das unverfälschte Finnisch Lappland also schöner erkunden, als auf traditionelle Weise? Dank riesiger Loipennetze kommt man fast überall in der Region gut voran. Und trotzdem zur Ruhe.

Stille liegt wie ein dicker Mantel über der verschneiten Landschaft. Lediglich das Knarzen von Schnee dringt ans Ohr, sobald ich meinen Ski einen Schritt nach vorne schiebe. Beim Ausatmen steigen kleine Wolken in die kristallklare Luft. Die Sonne klettert als glühender Feuerball über den Horizont und lässt den Himmel in einer breiten Palette intensiver Blautöne leuchten. Alles ist bereit für einen grossartigen Langlauftag in Finnisch Lappland. Langlaufen? Ist das nicht eher etwas für die ältere Generation? Für Leute, die es ruhiger angehen wollen? Weit gefehlt: Langlaufen ist voll im Trend, das leicht angestaubte Image, das diesem Sport lange anhaftete, spätestens seit Dario Colognas erster Olympiamedaille 2010 in Vancouver abgeschüttelt. Fitness-Jünger sehen darin das perfekte Ganzkörpertraining, Naturliebhaber eine Möglichkeit, Fauna und Flora in aller Ruhe zu erkunden und gestresste Grossstädter einen Fluchtweg aus dem hektischen Arbeitsalltag.

«Bei uns hat Langlaufen Tradition», erzählt mir Antti im Skiverleih. «Unsere Kinder stehen auf Skiern, sobald sie laufen können.» Das läge einerseits an der Verbundenheit der Finnen zur Natur, andererseits an den Witterungsbedingungen, die Langlaufen im ganz hohen Norden an bis zu 200 Tagen pro Jahr möglich machen. Unter solchen Voraussetzungen wundert es nicht, dass Finnisch Lappland über grossartige Loipennetze verfügt. Eines der besten findet man bei Ruka, wo sich auch die Langlauf-Elite zu Weltcup-Rennen trifft. Andere Anlaufpunkte liegen rund um Kittilä. Von der Gemeinde 200 Kilometer nördlich des Polarkreises zieht es Feriengäste entweder nach Levi, einem der bekanntesten Wintersportzentren Finnlands, oder in die Region Ylläs, die mit 330 Loipenkilometern die meisten des Landes zu bieten hat.

Mit dem Flugzeug in die Wildnis

Für meinen ersten Trip ins Langlauf-Mekka wähle ich Kittilä aus, das mit dem Flugzeug aus der Schweiz übrigens genauso gut erreichbar ist wie Ruka, aber noch weiter nördlich liegt. Startpunkt ist das Örtchen Rauhala am Ufer des Jerisjärvi. Die Tour führt mich mitten durch den urwüchsigen Pallas-Yllästunturi-Nationalpark mit seinen sanft abgerundeten Bergkuppen. Wer mehr über den Nationalpark lernen möchte, steuert ein Besucherzentrum wie das Pallastunturi an. Eindrucksvoller als die Theorie sind aber authentische Lappland-Erfahrungen aus erster Hand. Mit etwas Planung lassen sich Langlauftouren mit Abstechern zu Rentierfarmen verbinden oder mit einer Husky-Schlittenfahrt, auf der die vierbeinigen Energiebündel zeigen, was sie draufhaben.

Erst einmal verlasse ich mich aber auf meine eigenen zwei Beine. Schnell finde ich meinen Takt, habe Spass am rhythmischen Arbeiten meiner Muskeln. Die gleichmässigen Bewegungen wirken beruhigend, beinahe meditativ. Eine Stunde vergeht, ohne dass mir eine Menschenseele begegnet. So lässt es sich herrlich abschalten. Ganz ohne Ablenkung sauge ich die Eindrücke um mich herum auf. Mal gleite ich vorbei an vereinzelten Bäumen, die wie Skulpturen am Wegrand stehen, tief gebeugt unter ihrer weissen Last, mal an einer makellosen Schneedecke, auf der die Eiskristalle wie ein Lichtermeer in der Sonne glitzern.

Gegen Mittag meldet sich mein Magen. Feine Gasthäuser wie in den Alpen sucht man hier draussen aber vergeblich, die Pausen verbringt man in kleinen Unterständen oder den rustikalen Kotas. In diesen für Finnisch Lappland typischen Holzhütten hocken Wintersportler bei schlechtem Wetter drinnen an der Feuerstelle. Jetzt aber, bei milden Temperaturen, treffen sie sich vor der Tür. Einige geniessen mit geschlossenen Augen die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut, andere nutzen die Gelegenheit, um schnell noch einmal nachzuwachsen.

Frühling auf den Loipen

Während ich meinen Rucksack nach einem Snack durchwühle, komme ich ins Gespräch mit einer Ortskundigen. «Für mich ist März der beste Monat zum Langlaufen hier oben», verrät mir Hanna. Natürlich könne man auch früher kommen, doch dann seien die Tage kürzer. Nach der Stärkung begebe ich mich zurück auf die Loipe: links und rechts die parallel verlaufenden Linien für die klassischen Langläufer, in der Mitte eine gewalzte Fläche für die Skater. Immer wieder biegen Spuren von den markierten Pfaden ab. Auf speziellen Backcountry-Ski zieht es Abenteuerlustige ins Gelände und ein paar schwungvolle Spuren auf den Erhebungen zeugen davon, dass mit dem breiteren Material sogar kleinere Abfahrten möglich sind.

Für mich als Neuling in Finnisch Lappland lautet das Motto aber: keine Experimente. Ohne Umwege erreiche ich mein Tagesziel Keimiö und die Hütte für die Nacht. Grossen Komfort darf man nicht erwarten, eine Sauna allerdings schon. Die Schwitzstuben scheinen selbst in der bescheidensten Unterkunft zum Pflichtprogramm zu gehören. Auf die heisse Entspannung konnte ich mich einstellen, auf ein anderes Phänomen habe ich nur hoffen dürfen. Und ich werde nicht enttäuscht. Wie aus dem Nichts flimmern eines Abends die mystischen Nordlichter übers Firmament. Beim Betrachten der farbigen Bänder kommt mir ein Artikel in den Sinn, den ich vor meiner Abreise gelesen habe. Laut einer Rangliste der Vereinten Nationen leben in Finnland die glücklichsten Menschen der Welt. Die Schweizer schneiden auf Platz 5 auch nicht schlecht ab. Für die Extraportion Glücksgefühle aber lohnt sich eine Langlaufreise durch das märchenhafte Finnisch Lappland auf jeden Fall. KM

Unsere Empfehlungen

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Reisetipp

von Angela Engelhard, Product Manager Scandinavia
Wer die finnische Winterwildnis auf unterschiedlichste Art und Weise erleben möchte, dem empfehle ich einen Aufenthalt in der Saija Lodge. Sie liegt rund eine Stunde südlich von Kuusamo, direkt am idyllischen See Jokijärvi. Inmitten unberührter Natur kann man hier weit weg von Hektik und Lärm eine Erlebniswoche in traditionellen und gemütlichen Ferienhäusern verbringen. Gäste haben die verschiedensten Möglichkeiten, um die Region zu entdecken: Mit Hundeschlitten, auf Langlaufski, Schneeschuhen oder mit Motorschlitten. Zur Krönung kann man in einer der Sky Cabins übernachten und die Nordlichter durch das Glasdach direkt vom Bett aus beobachten.

Direktflüge nach Finnisch Lappland

Vom 22. Dezember 2018 bis 2. März 2019 fl iegt Helvetic Airways jeweils am Samstag direkt von Zürich nach Kittilä, vom 29. Dezember 2018 bis 2. März 2019 jeweils samstags zusätzlich nach Ruka / Kuusamo.

Winterabenteuer in Tromsø

Auch nach Tromsø, die grösste Stadt im hohen Norden Norwegens, gibt es vom 29.12.18 bis 2.3.19 Direktfl üge ab Zürich. Das «Tor zur Arktis», wie der Ort gerne genannt wird, bietet alle nordischen Winterabenteuer: Von Schneeschuhwanderungen über Huskyschlitten fahren, Angeln, Kajaken bis natürlich auch hier: Langlauf. Wer gerne in einer schönen und interessanten Stadt mit viel historischem Entdeckerfl air und spannenden Museen wohnt und für Tagesausfl üge in die Wildnis aufbrechen möchte, ist hier genau richtig.

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