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Rund um den Globus

Ausbildung zum

Hüter der Natur

Travelhouse setzt sich zusammen mit dem Schweizer Verein «Frieds of African Wildlife» gegen Wilderei im südlichen Afrika ein. Einheimischen Studenten wird eine Ausbildung ermöglicht, in der sie lernen, komplexe Ökosysteme zu verstehen, Wildtiere zu schützen und lokale Gemeinschaften zu stärken.

Der Lichtkegel des Scheinwerfers blitzt durch die Dunkelheit des südafrikanischen Buschs. Wir sind im 150 Quadratkilometer grossen Timbavati Wildreservat auf Safari. Es grenzt ohne Zaun an den Kruger Nationalpark. Plötzlich stoppt unser Guide Sinhle den Wagen. Patrick, unser Fährtensucher, der seinen Platz vorne links auf einem Sitz auf der Kühlerhaube des 4 x 4 hat, beleuchtet einen Baum. «Ein Chamäleon», sagt Sinhle ruhig. Tatsächlich! Gut getarnt sitzt die Echse auf einem Ast zwischen den hellgrünen Blättern. Beeindruckend, wie das Team sie in der Dunkelheit entdeckt hat. Sinhle, 28-jährig, arbeitet als Guide in der Motswari Lodge. Bereits sein Vater war Safari-Guide und Sinhle hat schon als Kind viel von ihm über Tiere gelernt. Als junger Mann bot sich ihm die Möglichkeit, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten.

Nicht jeder erhält jedoch eine solche Chance. Immer mehr junge Afrikanerinnen und Afrikaner wollen sich für den Tier- und Naturschutz einsetzen und suchen Arbeit in den Nationalparks des südlichen Afrika. Doch oft haben weder die Parks noch die Lernwilligen die Mittel, um eine gute Ausbildung zum Wildhüter, Antiwilderer-Spezialisten oder zur Führungskraft zu fi nanzieren. Hier kommt das Southern African Wildlife College (SAWC) ins Spiel.

Naturschutz fordert Härte

Das SAWC befi ndet sich im Greater Kruger Nationalpark und ist das perfekte Klassenzimmer, um Theorie und Praxis des Naturschutzes zu vermitteln. 1996 zusammen mit dem WWF und der Peace Parks Foundation gegründet, wurden bis heute mehr als 15 000 Personen im Bereich Natur- und Umweltschutz geschult – unter anderem von Marianne und Ruben de Kock. Als sie sich uns vorstellen, witzelt Ruben über unübliche Ehe-Erlebnisse: «Ich erinnere mich, wie meine Frau einmal ihr Maschinengewehr am Baum angelehnt vergessen hatte, als wir auf Wilderer trafen.» Kennengelernt haben sich die beiden in der südafrikanischen Armee. Ruben nennt seine Frau liebevoll Korporal. Heute sind sie am SAWC für die Ausbildung der Field Ranger zuständig, die zum Schutz der Natur durch den Busch streifen und auch Wilderer aufspüren.

Mehr als 120 Personen bewerben sich jeweils, doch nur rund 30 bestehen die fünf Selektionstage.  «Wir selektieren hart. Je erschöpfter ein Teilnehmer ist, desto mehr zeigt sich seine Persönlichkeit. Field Ranger müssen mental und körperlich stark sein», erklärt Marianne de Kock. Nach der Evaluation stehen den Auserwählten sechs Wochen Training am College bevor. Martiens ist einer von denen, die es geschafft haben. Er ist 25 Jahre alt, verheiratet und seit seinem College-Abschluss als Field Ranger im Kruger Nationalpark tätig. Sein Wille und seine Stärke stehen ihm ins Gesicht geschrieben. Für sieben Tage am Stück ziehen er und sein Arbeitskollege jeweils in den Busch – ohne Verbindung zur Aussenwelt.  «Angst habe ich keine. Tiere sind keine Gefahr, weil ich deren Verhalten lesen kann. Wilderer sind gefährlicher», sagt er. Die harte und strenge Ausbildung der Ranger ist gerechtfertigt. Weltweit wurden bereits 1000 von ihnen bei Begegnungen mit Wilderern getötet. Martiens und sein Kollege treffen rund zweimal pro Woche auf Wilderer. Die Zahl der Nashörner sinkt jährlich, weil sie wegen ihres Horns gejagt werden. Diesem wird im asiatischen Raum eine heilende und potenzsteigernde Wirkung nachgesagt.

Spürhunde helfen mit

Seit 2015 werden die Field Ranger von der sogenannten K9 Dog Unit unterstützt. In dieser werden Hunde während 12 bis 18 Monaten zum Aufspüren von Wilderern und auf Gerüche wie Elfenbein, Marihuana und Munition trainiert – mit Erfolg. Seit Anfang dieses Jahres wurden dank der Hunde über 28 Festnahmen gemacht. In der K9 Dog Unit treffen wir auf Tina de Flamingh, gebürtige Schweizerin. Sie lebt mit ihrem südafrikanischen Mann im College. Er bildet unter Marianne und Ruben Field Ranger aus. Tina trainiert zusammen mit ihrem Chef, Johann van Straaten, die Hunde und zeigt uns die Fähigkeiten ihrer Schützlinge: Zwei Mitarbeitende – Precious und Pleasure – laufen durch den Busch und legen mit ihrem menschlichen Geruch eine Spur. Danach sind die Hunde Benji, Jok und Bourn dran. Sie rennen los, ihrer Nase nach. Wir können die Hunde dank GPS an ihrem Halsband auf einem Gerät orten. Johann und Tina können so die Spur der Hunde live verfolgen und sich im Ernstfall per Helikopter zum «Tatort» begeben. Drei Minuten später: Das Verhalten der Hunde, das Tina auf dem GPS abliest, zeigt, dass sie die beiden Mitarbeitenden gefunden haben.

Eine neue Generation Wächter der Natur

Junge Afrikanerinnen und Afrikaner, die Interesse an einer Naturschutzausbildung zeigen – und oft aus benachteiligten Familien stammen – haben die Möglichkeit, beim sechsmonatigen Kurs «Youth Access Bridging» Busch-Luft zu schnuppern: Auf dem Stundenplan stehen erste Hilfe, Naturschutzethik, Patrouillenmethoden, Field-Ranger-Aufgaben und Didaktik. Hat dieser Kurs ihr Interesse geweckt, können sie in einer weiteren Ausbildung «Sustainable Use & Field Guiding» während 18 Monaten lernen, wie sie Touristen durch die einzigartige Natur- und Tierwelt führen – so wie es Sinhle macht.  «Das College ist auf die finanzielle Unterstützung von Gönnern angewiesen. Dank ihnen können wir unsere wichtige Aufgabe – die Ausbildung und Qualifi zierung im Naturschutz und Tourismus – fortsetzen», sagt Theresa Sowry, CEO des SAWC. MIH

«Friends of Afr ican Wildlife»

«Friends of African Wildlife» ist ein gemeinnütziger Schweizer Verein, der mit dem Projektpartner «Southern African Wildlife College» (SAWC) in Südafrika zusammenarbeitet. Das SAWC führt die Projekte vor Ort aus. Das College hat umfassende Erfahrungen und ist eine staatlich anerkannte Institution. Seit 2014 unterstützt Travelhouse das Projekt «Adopt a Student», bei dem Studenten in Südafrika die Aus- oder Weiterbildung zu Wildhütern ermöglicht wird.

> Frinds of African Wildlife
> Travelhouse: Nachhaltigkeit

Unsere Empfehlung

Nachhaltige Safari-Lodge: Die 4-Sterne-Lodge Motswari Private Game Reserve im Timbavati Reserve beim Kruger Nationalpark ist bei Travelhouse mit Vollpension und zwei ausgedehnten Pirschfahrten pro Tag buchbar. Die Lodge ist von «Fair Trade Tourism» zertifi ziert.

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