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Rund um den Globus

Der Traum vom

Fliegen

Sie fliegen um die Welt, schlafen öfters in Hotels als zu Hause und tragen ständig ein Lächeln im Gesicht: Flight Attendants haben ein aufregendes, aber herausforderndes Berufsleben. Katja Grevsmühl kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Hin & Weg hat sie auf einer Rotation nach Bangkok begleitet.

Es gibt diesen kurzen Moment, in dem auch Katja Grevsmühl auf jedem Flug Gast ist und sich hinsetzen muss. Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 Kilometern pro Stunde rauscht die Boeing 777 300 ER von SWISS über die Piste in Zürich, bis die Flügel zu tragen beginnen und 350 Tonnen langsam in die Luft steigen. Der Übergang vom Fahren zum Fliegen. Auch nach dem tausendsten Flug noch ein Erlebnis. Katja und die anderen Flight Attendants sitzen auf ihren Jumpseats. Sie haben ein paar Minuten bis zum bekannten Stichwort aus dem Cockpit: «Cabin Crew released.» Mit hörbaren Clicks werden die Sicherheitsgurten gelöst, Röcke und Frisuren glattgestrichen. Es kann los gehen. Der Arbeitstag der Crew hat aber schon ein paar Stunden vorher angefangen.

«Wir treffen uns rund eineinhalb Stunden vor Abflug für das Briefing», sagt Katja. Sie erscheint bereits in Uniform und mit Hochsteckfrisur im Operation Center am Flughafen Zürich und geht mit raschen Schritten zum Sitzungszimmer. Der kleine Raum füllt sich schnell, 13 Flight Attendants und der Maître de Cabin stehen um den Tisch, begrüssen sich und stellen sich vor. SWISS beschäftigt rund 4500 Flight Attendants und etwa 1300 Piloten. Die Crewmitglieder arbeiten auf jedem Flug in neuen Teamkonstellationen zusammen und kennen sich meist nicht. Mit dabei sind an diesem Tag auch drei Flight Attendants aus Thailand. «Auf den Flügen nach Thailand, Japan, China und Indien haben wir sogenannte „foreign flight attendants“ im Team», erklärt Katja. «Gemeinsam bedienen wir die Passagiere, sie können sich aber im Bedarfsfall in der Landessprache mit unseren ausländischen Fluggästen unterhalten.»

Der Flug von Zürich nach Bangkok ist bis auf den letzten Platz besetzt. Rasch und unkompliziert wird vereinbart, wer wo welche Aufgaben übernimmt. Die Piloten liefern die Details zum Flug: Start um 17.55 Uhr. Flugzeit: Rund zehn Stunden und 15 Minuten mit eventuell leichten Turbulenzen über dem Golf von Bengalen.

Fotos knipsen und Babies wiegen

Katja arbeitet seit fünf Jahren als Flight Attendant bei SWISS. «Ich habe erst mit 32 Jahren angefangen, war also spät dran», erzählt sie. Nach einer Lehre in einem Reisebüro hat sie in verschiedenen Unternehmen der Reisebranche gearbeitet, unter anderem als Product Manager USA bei der Marke Travelhouse von Hotelplan Suisse. «Die Fliegerei hat mir in meinem Lebenslauf noch gefehlt.» Heute arbeitet sie hundert Prozent als Flight Attendant für die Schweizer Airline, in der Business wie auch in der Economy Class. «Der Beruf macht mir grossen Spass. Ich habe viel Abwechslung, arbeite auf jedem Flug mit anderen Menschen zusammen und fliege quer durch die Welt, von London über New York und Hongkong bis nach São Paulo.»

Auf diesem Flug nach Bangkok ist sie in der Business Class eingeteilt und serviert die Mahlzeiten. Vorher aber gilt es die Passagiere zu begrüssen und beim Verstauen des Gepäcks behilflich zu sein. «Ein Foto? Klar!» Die Flight Attendants knipsen das gewünschte Bild und wiegen bei einem anderen Platz das schlafende Baby, bis die Mutter sich eingerichtet hat. Noch vor dem Start wird das erste Glas Champagner serviert. Für die Gäste beginnen die Ferien. Vorne im Galley hingegen fliegen die Hände. Jede der fünf Flight Attendants weiss, was sie zu tun hat. Geschickt manövrieren sie auf dem engen Raum aneinander vorbei. Auf den Getränketrolleys werden Weinfaschen geöffnet und Bier bereitgestellt, in den Öfen wird das Essen aufgewärmt, Stapel mit Papierservietten gehören mit einem Handgriff hübsch gedreht. Es braucht Pragmatismus, um effizient voranzukommen, und trotzdem wird viel Wert auf Details gelegt. Ist der Trolley bereit heisst es Vorhang auf, lächeln und rein in den Gang. Katja serviert zur Vorspeise entweder mariniertes Rindfleisch in Pfefferkruste mit Schalotten sowie Pinienkernen und Parmesan-Mousse oder gebeizte Riesencrevetten mit Cantaloupe-Melone, Vinaigrette mit Basilikum und Pedro Ximénez-Sherry.

Nach Hauptgang und Dessert wird es ruhiger in der Kabine. Das Licht wird gedämmt, draussen ist es bereits dunkel. Die Sitze der Business Class lassen sich in ein flaches Bett verwandeln. Schlafenszeit, auch für Katja. Bei einer Flugdauer von rund zehn Stunden hat sie etwa zwei Stunden Pause. Sie isst ein Menu, das aufgrund der Auswahl in der Business Class übrig blieb, und besucht ihre Kolleginnen im hinteren Teil des Flugzeuges. Die Runde witzelt über eine mitgebrachte Teetasse und eine Bettflasche wird gefüllt. In der Boeing 777 ist die Crewbunk, also das Nachtlager für die Crewmitglieder, im hintersten, oberen Teil des Flugzeuges untergebracht. Über eine steile Treppe gelangt man in den schmalen Gang mit Schlafnischen links und rechts. Es ist ziemlich laut und eng und erinnert ein bisschen an den Schlafwagen eines Zuges. Nicht gerade ein Prinzessinnenbett. «Wenn ich müde bin, kann ich trotzdem schlafen», sagt Katja. Schwieriger sei eher, nach zwei Stunden aus dem Tiefschlaf geweckt zu werden und zehn Minuten später bereits wieder in der Kabine zu stehen und zu bedienen.

Lieblingsprogramm in Bangkok

Viele ihrer Crew-Kolleginnen und Kollegen legen sich nach der Ankunft am Mittag in Bangkok erst einmal ein paar Stunden ins Hotelbett. «Wenn wir schon mittags ankommen, hat sich das bewährt», sagt Katja. Sie selber hat an diesem Tag nicht viel Zeit zum Schlafen: Sie will mit einer Teamkollegin zur Pediküre. «Das typische Bangkok-Programm », sagt sie und lacht. Die meisten Flight Attendants und Piloten hätten in jeder Destination ihre Lieblingsbeschäftigungen. In Bangkok sind neben Beautybehandlungen vor allem Massagen, gerne auch noch spätabends vor dem Schlafengehen, und Zahnarztbesuche hoch im Kurs. Thailands Hauptstadt eignet sich perfekt für Nachtschwärmer oder Jetlag-Geplagte: Märkte und Street-Food-Stände sind 24 Stunden offen. «Ich mag diese Stadt sehr», sagt Katja. «Mir gefällt das Nebeneinander von Luxusgeschäften und Garküchen auf der Strasse, diese ständige Betriebsamkeit. » Auf Rotationen mit Flügen die mehr als zehn Stunden dauern, bleibt die Crew meist für zwei Übernachtungen in der Destination. Mit frisch gepflegten Füssen trifft Katja am Abend die Crew zum Nachtessen. Co-Pilot Thierry hat in einem Restaurant einen Tisch reserviert. Später geniesst die Gruppe die Stadt von einer Rooftop Bar aus. Ein schöner Moment im modernen Bangkok: Eine DJane legt Latino-Rhythmen auf, die Luft ist immer noch sehr warm und ein paar Thais tanzen Salsa. Ein bisschen wie Ferien. «Es gibt viele schöne Momente und Erlebnisse unterwegs. Sei es, dass ich in Shanghai in meinem Lieblingscafé ein paar Seiten lesen, oder mich im Winter irgendwo auf der Welt an der Sonne wärmen kann», erzählt Katja. Es seien diese Momente, die dem Leben als Flight Attendant eine gewisse Leichtigkeit verleihen. «Zudem haben wir keine Pendenzen. Wenn ich aus dem Flugzeug steige, ist meine Arbeit bis zum nächsten Flug erledigt.» Sie trägt ein gemustertes Kleid, die Haare offen, das Gesicht ist nur wenig geschminkt. Freizeit vom Dresscode im Flugzeug.

Flexibilität ist Pfllicht

Katja trifft sich auch in ihrer Freizeit mit anderen Flight Attendants. «Wir haben oft unter der Woche frei, wenn die anderen arbeiten.» Es sei eine aussergewöhnliche Beziehung, die in den Teams im Flugzeug rasch entstehe. «Aber man muss selbstverständlich eine gewisse Offenheit mitbringen und aufgestellt sein.» Was noch? Katja lacht. «Man braucht als Flight Attendant einen starken Dienstleistungsgedanken und muss sehr flexibel und unkompliziert sein. Wir erhalten unseren Flugplan für den kommenden Monat frühestens um den 20. des laufenden Monats. Da kommt es schon vor, dass ein Einsatz genau auf die Geburtstagsfeier eines Freundes fällt.»

Für den nächsten Morgen hat sich fast die ganze Crew für eine Fahrradtour durch Bangkok angemeldet. Auf gelben Velos fährt die Gruppe durch China Towns engste Gässchen. Frauen kochen vor der Haustüre, Männer auf Scootern lassen die Velofahrer geduldig passieren. Es ist eng, es duftet nach Essen, nach Feuer und Putzmittel. Die Guides führen die Gruppe durch Märkte und zu Tempeln, zum Fluss, wo eine kleine Fähre wartet, und in Wohnquartiere. Immer wieder gibt es Erklärungen und – ganz wichtig in Thailand, wie die Guides versichern – Snacks. Vor allem die Auswahl an tropischen Früchten ist verlockend: Frittierte Bananen, Mangosteen und Jackfruit heben den Blutzuckerspiegel an diesem heissen Tag wieder an.

Das andere Thema während der Fahrradtour: Die Fussball-Weltmeisterschaft. «Ich war im Dienst, als wir die Fussball-Nati nach Samara brachten. Ein Highlight für mich», sagt Katja, grosser Fussball-Fan. Auch ein Flug mit einem Team der Seilzieh-Weltmeisterschaft ist ihr in Erinnerung geblieben: «Sie hatten einen riesigen Pokal mit Flügeln dabei, den wir schlicht nicht in der Kabine unterbringen konnten. Er musste in den Frachtraum.»

Sicherheit auf engem Raum

Auf dem Rückflug nach Zürich lässt sich alles problemlos in den overhead lockers verstauen. Es ist ein Tagesflug und es gilt, die Passagiere fast elf Stunden bei Laune zu halten. Katja und ihre Kolleginnen bereiten Essen vor, servieren Mövenpick-Glacé, stellen einen kleinen «Kiosk» zusammen. Mit den vergangenen Stunden türmen sich in einem Trolley die gebrauchten weissen Tischtücher auf. Katja wirbelt im Galley. Ihr Kollege hilft gerade in der Economy Class aus, eine Kollegin serviert Getränke, die anderen haben Pause. Die Business Class hat 62 Plätze. Der Gast auf Sitz 5D will kurz nach dem Essen Cracker, Nr. 16A verlangt nach einem doppelten Espresso, «heiss». 12A will später essen. Eine junge Frau bringt ihr leeres Wasserfläschli gleich selber im Galley vorbei. Katja zieht Container über ihrem Kopf heraus, hebt die teilweise sehr schweren Kisten wieder hoch. «Es gibt schon gute Gründe, warum man als Flight Attendant mindestens 1.58 Meter gross sein muss», sagt sie und lacht. Bei ihr war es knapp.

Was nicht mehr gebraucht wird, wird sofort aus dem Weg geschafft. Katja öffnet und schliesst permanent Sicherheitslaschen vor den Containern. «Das ist einer dieser Handgriffe, die einem von Anfang an eingebläut werden.» Es gilt, alles so vorzubereiten, damit das Catering am Boden später schnell ist. Nicht nur der Platz, auch die Zeit ist immer knapp in der Fliegerei. «Wir arbeiten sehr speditiv», sagt Katja. «Aber wir spüren schon, dass es zeitlich und räumlich überall eher enger wird. Auch bei den Passagieren. Viele kommen ziemlich gestresst ins Flugzeug.» Oberstes Gebot ist dann, freundlich zu bleiben und Verständnis aufzubringen.

Kurz nach der Landung reisen Flight Attendants, Maître de Cabin und Piloten in alle Richtungen nach Hause. Das Team löst sich auf, und alle werden nach ihren freien Tagen bald wieder in die Luft steigen, mit anderen Passagieren, anderen Kolleginnen und Kollegen, in einen anderen Teil der Welt. Katja fliegt drei Tage später nach São Paulo. SCS

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Das hilft gegen Jetlag

Katjas bester Tipp gegen Jetlag: Viel frische Luft! «Ich höre auf meinen Körper und schlafe, wenn ich es brauche. Bei Ankunft am Nachmittag lohnt es sich aber, bis zum Abend durchzuhalten. Und wenn man nicht schlafen kann, nützt es auch, sich einfach auszuruhen.»

Bangkok-Tipps der SWISS-Crew

Hotel:
Auf den Rotationen nach Bangkok schläft die SWISS-Crew jeweils im Mövenpick Hotel Sukhumvit 15.

Restaurants:
The Local: Authentische Thai-Gerichte nach alten Familienrezepten, schöne Atmosphäre.
Indulge: Fusion Food der Extraklasse, trendige Location.
• Suda: Einfaches, authentisches Strassenlokal mit vielen einheimischen Gästen. Adresse: 6 – 6/1 Sukhumvit Soi 14, BTS Asoke

Bars:
• Die Rooftop Bar Above 11 ist beliebt, um die Skyline von Bangkok zu geniessen.
• In der Wine Republic gibt es eine grosse Weinkarte und Livemusik. Adresse: Wine Republic:137 Soi Thonglor 10, Sukhumvit 63 Rd., Klongton-nua

To dos:
• Eine Massage, beispielsweise im Lavana Spa oder im Silk Spa.
• Mani- und Pediküre zum Beispiel im Turquoise Nail Salon.
• Ein Besuch des Flugzeugfriedhofs (Airplane Graveyard). Unter anderem steht dort ein alter Jumbo in der Wiese. Es lohnt sich, für die Anreise im Zentrum von Bangkok ins Wassertaxi zu steigen (Haltestelle Wat Sriboonruang aussteigen, kurzer Spaziergang). Adresse: Airplane Graveyard: Ramkhamhaeng Road, Hua Mar, Bank Kapi, Thailand

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