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Durchblick beim

Nordlicht

Trondheim visitnorway

Wenn Reisende im Winter in den hohen Norden ziehen, hat das vor allem einen Grund: sie möchten das Nordlicht sehen. doch was steckt hinter den grünblauen Lichtschwaden, die über den Himmel tanzen?

Es gibt viele gute Gründe, im Winter zum Polarkreis zu reisen – trotz nur wenigen Stunden Tageslicht, kalten Temperaturen und Schnee überall. Der hohe Norden von Norwegen, Schweden und Finnland reizt mit weiten, fast menschenleeren Landschaften, mit märchenhaft verschneiten Wäldern, zugefrorenen Seen und Outdoor-Abenteuern wie Huskyschlitten-Fahrten, Schneetöff-Touren, Eisfischen, Langlauf-Touren oder Schneeschuh-Wanderungen. Aber so spannend das alles ist, so schön am Abend die Blockhütten-Romantik auch sein mag: der Blick der Besucher wandert fast automatisch immer wieder zum Himmel. Niemand will den wirklichen Star des Nordens verpassen. Nervöse Städter werden zu Jägern, Manager zu konzentrierten Beobachtern, Kinder zu Forschern. Wer im Winter zum Polarkreis reist, möchte mindestens einmal ein Polarlicht sehen. Lichtschwaden und Streifen in hellem Grün, die manchmal träge den Himmel erleuchten, manchmal wild durch ihn hindurch tanzen. Ein faszinierendes Spektakel, mystisch und eindrücklich, berührend und schön.

Den ersten Menschen muss das eigenartige Himmelslicht beängstigend vorgekommen sein. Vielerorts glaubten die Einwohner der nördlichen Regionen, das Nordlicht verheisse nichts Gutes. Für die Polarlichter wurden Geister verantwortlich gemacht, oder, bei den Wikingern, die Götter. Bei den Sami, den Ureinwohnern von Lappland, durfte nur leise gesprochen werden, wenn das Nordlicht gerade seinen Auftritt hatte, und eine finnische Sage erzählt, dass für das Leuchten der Feuerfuchs, bei uns Polarfuchs, verantwortlich sei, der mit seinem Schwanz über Schneefelder wedelt.

Am Anfang war ein Sturm

Auch die wissenschaftliche Erklärung für Aurora Borealis, wie das Nordlicht von den Forschern genannt wird, erzählt sich wie eine tolle Geschichte. Ihr Ursprung liegt tausende Kilometer weit weg, auf der Sonne. «Die Sonne ist unglaublich aktiv, sie arbeitet wie ein riesiger Generator » beginnt Thea Aarrestad zu erzählen. Die 29-Jährige doktoriert an der Universität Zürich in Teilchenphysik und arbeitet für das Cern in Genf. Als Physikerin versteht sie das Nordlicht, als Norwegerin bewundert sie es seit ihrer Kindheit. Sie erklärt mit Begeisterung: «Durch ihre Aktivität entstehen auf der Sonne starke Solarstürme, und zeitweise kommt es dabei zu Explosionen. » Bei solchen Explosionen wird eine Gaswolke voll von geladenen Teilchen mit hoher Geschwindigkeit weggeschleudert, manchmal in Richtung Erde.

Doch die Teilchen prasseln nicht einfach wie ein unsichtbarer Regen auf die Welt. «Die Erde hat ein magnetisches Feld, das jegliche Teilchen aus dem All ableitet. Es wirkt wie ein Schutzschild», beschreibt Aarrestad. Die magnetischen Feldlinien führen zu den beiden Polen der Erde, wodurch die Partikel dort auf den Boden gelenkt werden. Mit dem Vordringen in die Erdatmosphäre aber, stossen sie, immer noch mit hoher Geschwindigkeit, mit Sauerstoff- und Stickstoffmolekülen zusammen. Die Energie, die durch diesen Zusammenprall freigesetzt wird, nehmen wir als Licht wahr. «Der Vorgang ist sehr komplex und die Forschung hat erst vor noch gar nicht so langer Zeit herausgefunden, wie das Nordlicht überhaupt auf die der Sonne abgewandte Seite, also die Nachtseite der Erde, wo wir es sehen, gelangt», sagt Aarrestad.

Aarrestad ist in Bergen aufgewachsen, zu südlich, um Nordlichter zu sehen. «Aber meine Familie kommt ursprünglich aus Hadseløya, nördlich der Lofoten. Dort habe ich als Kind die ersten Polarlichter gesehen. Sie sind unglaublich.» Eigentlich treten Nordlichter ab dem 60. Breitengrad Nord und Süd auf. In seltenen Fällen sind sich auch in den gemässigten Breiten zu sehen, wie es in Süddeutschland einmal der Fall war. «Das kann passieren, wenn es sehr starke Sonnenstürme waren und die Teilchen so schnell sind, dass sie den Schutzschild der Erde durchdringen können», sagt die Physikerin. Wer sich genug nördlich aufhält, kann bei Dunkelheit jederzeit mit Polarlichtern rechnen. Allerdings sind sie nur zu sehen, wenn der Himmel klar ist. «Und wenn es Stürme gab auf der Sonne», ergänzt Aarrestad. «Ob es sich lohnt, draussen auf das Polarlicht zu warten, erfährt man bei uns in den Wetterprognosen», sagt die Norwegerin und lacht. Ihre Berufskollegen haben ausgerechnet, dass ein Sonnensturm 18 Stunden her ist, wenn Menschen Polarlichter am Himmel sehen. Eine einfache physikalische Rechnung.

Die Farbe hängt von der Höhe ab

In welcher Farbe das Licht am Himmel erscheint, hat damit zu tun, in welcher Höhe die Moleküle aufeinandertreffen. Grünes Licht bedeutet, dass die Sauerstoffatome in rund 100 Kilometer Höhe auf andere Teilchen gestossen sind. Ist das Licht rötlich, spricht das für Kollisionen in dünnerer Atmosphäre, also rund 200 Kilometer ab Boden. Waren die Sonnenstürme besonders stark, werden vermehrt Stickstoffatome angeregt, sie sorgen für violette bis blaue Strahlen.

Solch starke Solarstürme können übrigens auch für weniger schöne Phänomene als Lichtschwaden sorgen. Aarrestad erinnert daran, dass 1989 mehrere Satelliten aufgrund der rasenden Teilchen eines sogenannten Solarwindes Pannen erlitten. Zudem waren sechs Millionen Menschen in der Region Québec stundenlang ohne Strom wegen der magnetischen Wellen des Sturms im All. Normalerweise aber beschenken uns die Explosionen auf der Sonne ausschliesslich mit einem unvergesslichen Himmelslicht. Auch Aarrestad kann sich an den Polarlichtern nicht satt sehen. «Ich finde sie physikalisch wunderschön. Es ist ein kleines Wunder, was alles passieren muss, bis wir sie beobachten können.» SSC

Auf zum Nordlicht

Im Winter 2018 gibt es bei Hotelplan, Travelhouse und Globus Reisen einen dritten Charterflug in die Nähe des Polarkreises. Nach Kittilä und Tromsø steht neu auch Ruka / Kuusamo in Finnisch Lappland im Programm. Die Flüge werden von Helvetic Airways vom 20. Januar bis 3. März jeweils samstags durchgeführt. Nordlichter gibt es aber auch in Alaska und Yukon zu sehen. Mehr dazu im Katalog «Winterträume» der Marke Travelhouse.

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  1. Federer Charlotte, 14. September 2017

    Die tollen Aufnahmen und die spannende Beschreibung macht einem direkt „gluschtig“ diese Reise anzutreten.
    Leider für mich zu teuer.

    • HIN & WEG
      HIN & WEG, 20. September 2017

      Liebe Frau Federer, Es freut uns, dass die Bilder Sie inspirieren und die Lust auf Ferien wecken.
      Leider sind die nordischen Länder eher teuer, aber die Welt hat zum Glück viele schöne Orte.

  2. Malin, 13. September 2017

    Ich bi au bald dete!!!

    • HIN & WEG
      HIN & WEG, 20. September 2017

      Dann wünschen wir Dir jetzt schon schöne Ferien und ganz viele tanzende Nordlichter!