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Eine Nation im

Kirschblütenrausch

Sakura ist die schönste Zeit, um Japan und die Japaner kennenzulernen. Mit den wunderbaren Kirschbäumen blühen auch die Einheimischen regelrecht auf und sind in bester Festlaune.

Es schneit Blüten und Generationen verfallen kollektiv in verzücktes Seufzen, endloses Staunen und vor allem in Feierlaune. Wenn in Japan die Kirschen blühen, gerät eine ganze Nation in Begeisterung und es überwiegt selbst in den sonst hektischen Megametropolen wie Tokio oder Osaka heitere Gelassenheit. Die Kirschblüte, japanisch «Sakura», steht für eine einzigartige Mischung aus Glück, Besinnlichkeit und purer Freude. Das gemeinsame Bestaunen und Feiern der Blüten, «Hanami» genannt, versetzt Millionen Japaner und Reisende aus aller Welt fast schon in einen Massenrausch.

Die überwältigende Macht der zarten Blütenpracht kann vermutlich nur begreifen, wer sie selbst erlebt hat. Es ist die Schönheit der Fülle, die ansteckt und fast schon hypnotisiert, die unübersehbare Zahl der Blüten, die Alleen, Parkanlagen und Tempel in weisse und zauberhaft rosarote Wolken hüllen. Und es beeindrucken die vielen Menschen, die dieses Naturereignis intensiv anhimmeln und zelebrieren. Sakura-no-hana – die rund 20 Tage blühende Kirsche – symbolisiert nach dem Verständnis japanischer Dichter Schönheit und Perfektion, aber auch Vergänglichkeit auf der Höhe des Ruhms. Nippons Töchter und Söhne verehren die blassrosa Pracht deshalb als Sinnbild für ein erfülltes, aber zu kurzes Leben. «Schon die Samurai sahen darin eine betörende Anmut und verglichen gleichzeitig den schnellen Fall der Blüten – ohne sich an die Äste zu klammern – mit den feudalen Kriegern, die sich selbstlos in den Kampf und in den Tod stürzen», beschrieb unlängst die sonst eher sachliche Nachrichtenagentur Kyodo die Befindlichkeit.

Keine Früchte für den Verzehr

Japan legt es schon seit Jahrhunderten darauf an, die Zeit in der die Kirschbäume in Blüte stehen, als Hype zu inszenieren. Auf die Idee, Hanami-Partys unter Kirschbäumen zu veranstalten, kamen zuerst Aristokraten um das neunte Jahrhundert. Unter dem rosaweissen Blütenmeer dichtete die imperiale Elite romantische HaikuGedichte und schwelgte in üppigen Picknicks. Schnell wurde diese Art des Feierns von den Samurai übernommen und um das 19. Jahrhundert erblühte Hanami auch zum populären Entertainment für das allgemeine Volk.

Seither ist das fernöstliche Inselreich globaler Leader in Sachen Kirschblüten, die allerdings fast ausschliesslich zur Zierde blühen und nicht zum späteren Verzehr geeignet sind. Ihr einziger Zweck besteht darin, schön zu sein und den Menschen Frühlingsgefühle zu entlocken. Kenner unterscheiden 16 verschiedene Blütenformen, einfache in weiss oder rosa, aber auch doppelte und dick gefüllte, die wilder wirken und später blühen. Der nationale Taumel beginnt jedes Jahr Ende Februar, wenn sich die Spezialisten des staatlichen Wetteramtes zum Tokioter Yasukuni-Schrein bemühen.

Bei diesem Shinto-Heiligtum wählen die Experten vom selben Stamm zehn Knospen aus. Diese Musterblüten werden gewogen, zerpflückt und wissenschaftlich inspiziert. Kombiniert mit den Temperaturen und der Wetterlage prognostizieren die Meteorologen daraus den voraussichtlichen Beginn der Kirschblüte. Ab diesem Zeitpunkt verfolgen alle Medien im Land die Sakura-Front, halten Webseiten und Apps die Menschen auf dem Laufenden. Nichts scheint wichtiger als die Frage, wann man wo zur rechten Zeit am richtigen Platz ist. Lange galt Ende März für Tokio als sicherer Termin. 2017 allerdings war die Natur später dran, in der vergangenen Saison früher. Wer die Kirschblüten erleben will, reist am besten zwischen Mitte März und Anfang Mai nach Japan. Allerdings spielt auch das Ziel eine wichtige Rolle. Das Datum hängt von der entsprechenden Klimazone ab.

Hotspots in Tokio

Die durchschnittlich zwei Meter hohen Bäume finden sich in allen 47 Präfekturen des Landes. Aber überbordend und angesagt ist vor allem Tokio mit seinen Hotspots. Im zentralen Shinjuku-Garten blühen über 1000 Kirschbäume, am Sumida-Fluss mehr als 650, die abends beleuchtet werden. Eine Super-Attraktion ist auch Chidorigafuchi direkt am Burggraben des eindrücklichen Tokioter Kaiserpalastes. Diesen fotogenen Ort mit Ruderboot-Verleih suchen jedes Jahr mehr als eine Million Menschen heim. Und fast schon ein Synonym für Sakura ist der Ueno-Park, dessen rund 1000 Bäume etwa zwei Millionen Besucher pro Saison anlocken.

Kirschblüten-Spektakel bietet natürlich auch die alte Kaiser- und Residenzstadt Kyoto, wo in vielen der Tempel und Schreine Bäume blühen. Als Muss für Touristen gilt der Kiyomizu-Tempel. Am Tag drängen sich Tausende auf der berühmten Terrasse, abends verwandeln Schweinwerfer die Sakura in ein schummriges Blütenmeer. Am «Philosophenweg» und am Kamo Fluss wandert man etwas ruhiger kilometerweit unter wunderschönen Bäumen.

Tage auf der rosaroten Wolke

Das «Weltzentrum» der Kirschblüte liegt in den Bergen, in Yoshino, wo 30 000 Kirschbäume nacheinander blühen und am Hang ein schier unüberschaubares Meer formieren. Der klassischste Platz, die Stadt Uji, liegt 30 Kilometer südlich der Residenzstadt Kyoto am Fluss Ujigawa. Hier spielt auch das höfische Nationalepos der Japaner, die Geschichte vom Prinzen Genji: Liebe und Intrige unter dem Kirschzweig.

Als späte Destination kommt zunehmend der Norden Japans in Mode, wo Sakura im Schlosspark der eindrucksvollen Burg von Hirosaki mit 2600 Bäumen und 50 unterschiedlichen Arten neue Blüten treibt. Hier fängt das Spektakel jedoch in der Regel erst Ende April an und dauert bis in den Mai. Ideal, wenn man dem allgemeinen Rummel am vorhergehenden Monatswechsel entgehen will.

Überall werden für Fremde mittlerweile Gebrauchsanweisungen «how to hanami» angeboten. Die unkomplizierten Basisfakten: die Feiernden sitzen auf Wegen und Wiesen unter den Bäumen, meist auf schrill-blauen Plastikplanen, die «Vorkämpfer» schon am frühen Morgen ausgerollt haben und tapfer verteidigen. Das Blütenbestaunen im Kreis von Kollegen oder Bekannten beginnt meist am Nachmittag und ist ein geselliges Beisammensein mit Volksfestcharakter. Dabei wird bei jedem Wetter erstaunlich viel gegessen, laut gesungen und jede Menge Alkohol getrunken.

Für ausländische Besucher ist die Sakura-Saison nicht nur ein Naturereignis. Es ist die perfekte Gelegenheit, Japan und das japanische Volk von der besten Seite kennenzulernen. Denn mit den Kirschen blühen auch die oft sehr zurückhaltenden Einheimischen regelrecht auf. An diesen Tagen auf der rosaroten Wolke erlebt man sie locker, fröhlich, glücklich und kommunikativ. Leicht alkoholisiert trauen sie sich, Fremde anzusprechen und herzlich zu ihrer Party einzuladen. AKÖ

«Hanami» – Traditionelles Kirschblütenfest

Meist wird das Bestaunen der Blüten mit einem Picknick unter den Bäumen verbunden. Die Blüten dürfen nicht gepflückt werden und es ist nicht angebracht, an Ästen zu ziehen. Allgemeine Verhaltensregeln unterscheiden sich von Park zu Park und müssen respektiert werden.

Japans Schönheit entdecken

Travelhouse verbindet auf der Rundreise «Klassisches Japan» die schönsten Seiten des Landes. Die Route führt von Tokyo über Kyoto nach Osaka. Im Preis ist eine lokale, Englisch sprechende Reiseleitung inbegriffen. Tipp: Es lohnt sich, für die Kirschblütenzeit früh zu buchen.

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